Knapp drei Monate vor dem Anpfiff tobt ein regelrechter Run auf Tickets für die Fußball-WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada. Trotz extremer Preise und wachsender globaler Unsicherheit – unter anderem nach Militäroperationen gegen den Iran und Gewaltausbrüchen in Guadalajara – bleibt die Nachfrage enorm hoch. FIFA-Angaben zufolge wurden in den ersten beiden Verkaufsphasen fast zwei Millionen Tickets abgegeben, die Nachfrage überstieg das Angebot nach Angaben von Gianni Infantino zeitweise um das 30‑ bzw. sogar über 500‑fache. Gleichzeitig sorgen Visafragen, Einreisebestimmungen und ein boomender Zweitmarkt dafür, dass viele Fans ihre Reisepläne neu bewerten.

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Kartenverkauf und Nachfrage
FIFA meldet, dass in den ersten beiden Verkaufsphasen nahezu zwei Millionen Karten vergeben wurden, die Nachfrage aber deutlich darüber lag. Präsident Gianni Infantino sprach in einem Video anlässlich der Marke „100 Tage“ davon, dass man für sieben Millionen Zuschauer in den Stadien plane, während die Anfragen nach Tickets sich auf über 500 Millionen summierten und die verfügbaren sechs bis sieben Millionen Plätze damit weit überstiegen. FIFA behält sich eine letzte Verkaufsphase vor, die nach den Playoffs im April starten soll – laut Infantino werden für diese Phase noch Restkontingente zurückgehalten. Diese Knappheit erklärt, warum viele Bewerber leer ausgehen und warum der sekundäre Markt an Fahrt aufnimmt.
Sicherheits- und Einreisebedenken
Politische Spannungen und sicherheitsrelevante Ereignisse beeinflussen die Reiseentscheidungen zahlreicher Fans. In Folge von US‑israelischen Angriffen auf Iran sowie nachgewiesener Gewalt in Guadalajara nach der Tötung eines Drogenbosses äußern Anhänger Sorge um ihre persönliche Sicherheit und um Visa‑ beziehungsweise Einreisefragen. Ein deutscher Fan, Tom Roeder, sagte Reuters, er habe sich entschieden, höchstens nach Kanada zu fliegen, nicht in die USA, aus Angst, die Einreise könnte verweigert werden. Trotz solcher Befürchtungen betont etwa Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum, es gebe «kein Risiko» für Besuchende; Fanvertreter mahnen jedoch zur sorgfältigen Visavorbereitung, insbesondere bei Reisen zwischen verschiedenen Gastgeberstaaten.
Ticketpreise und der Zweitmarkt
Die Preise für Eintrittskarten geraten vielerorts gleichermaßen in die Kritik: Die Bandbreite reicht von sehr günstigen Kontingenten für Verbandszuweisungen bis hin zu Angeboten auf dem Sekundärmarkt mit deutlich höheren Preisen. FIFA verteidigt ihr Modell und weist darauf hin, dass sie als Nicht‑Gewinnorganisation arbeitet und Einnahmen in die weltweite Fußballförderung reinvestiere; die Organisation rechnet damit, mehr als 90 Prozent ihres budgetierten Investitionsvolumens 2023–2026 zurück in den Sport zu lenken. Dennoch berichten Fanverbände von stark gestiegenen Kosten: Mehdi Salem von der französischen Gruppe Les Baroudeurs du Sport nennt eine Preissteigerung von über 200 Prozent gegenüber 2018 und rechnet mit einem starken Rückgang der mitreisenden Mitglieder. Für viele Fans wirkt die WM dadurch weniger zugänglich, einige sprechen von einer «elitistischen» Veranstaltung.
Organisation, Logistik und Fanerlebnis
Die geografische Dimension der WM mit 16 Spielorten in drei Ländern verstärkt logistische Herausforderungen für Anhänger, die mehrere Partien live verfolgen wollen. Der erhöhte Aufwand für Reisen zwischen Stadien, höhere Übernachtungs‑ und Transportkosten sowie Visa‑Formalitäten schränken die Planbarkeit für Fans ein; Reiseveranstalter berichten von einer bisher ungekannten Nachfrage, sehen aber zugleich die finanziellen Schranken. Michael Edgley von Green and Gold Army Travel bezeichnet die Nachfrage als die stärkste, die er je erlebt habe, und prognostiziert für FIFA beträchtliche Einnahmen. FIFA kündigt an, in mehreren Wegen Fan‑Erlebnisse auch außerhalb der Stadien zu ermöglichen, damit möglichst viele Menschen am Turnier teilhaben können.
Reaktionen von Verbänden und Ausblick
Fanorganisationen und Verbände reagieren unterschiedlich: Einige nationalen Verbände erhalten von FIFA Sonderkontingente mit stark subventionierten Plätzen für Mitglieder, während unabhängige Fangruppen aufgrund der Kosten ihre Teilnehmerzahlen deutlich reduzieren. Adrian Nunez Corte von Unipes betont, dass die Vorfälle die Kauflust nicht grundlegend vermindert hätten, wohl aber zu erhöhter Vorsicht bei Visafragen geführt hätten. FIFA plant, die Bewerbergebnisse für überzeichnete Partien nach einem Zufallsprinzip zu vergeben; über die Zuteilung der Bewerbungen will die Organisation zeitlich gestaffelt informieren.