Die deutsche Nationalmannschaft gewinnt im WM-Jahr das nächste Testspiel, wenn auch knapp – 2:1 (1:0) gegen Ghana in Stuttgart. Deniz Undav erzielte in der 88. Minute das späte Siegtor, nachdem die DFB-Elf zahlreiche Großchancen nicht verwertet hatte. Julian Nagelsmann bemängelte taktische Undiszipliniertheiten und die Konteranfälligkeit seines Teams. Gleichzeitig gab es starke Einzelauftritte, ein Startelf-Debüt und deutliche Schwankungen in den Noten. Im Anschluss wurde Ghana-Coach Otto Addo entlassen.

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Spielverlauf: 2:1-Sieg gegen Ghana in Stuttgart
Die erste halbe Stunde gehörte Deutschland: frühe Ballbesitzphasen, gefährliche Standards und mehrere Möglichkeiten im Strafraum. Florian Wirtz setzte in der 6. Minute einen Freistoß an das Aluminium, sein vermeintliches Tor in der 32. Minute wurde wegen einer knappen Abseitsstellung von Nick Woltemade aber zurückgepfiffen. Kurz vor der Pause verwandelte Kai Havertz sicher einen Elfmeter zur 1:0-Pausenführung.
Nach dem Seitenwechsel ließ die Disziplin im Aufbauspiel nach, Nagelsmann sprach von zu viel „Freestyle“ und warnte vor der Konteranfälligkeit, die in heißeren WM-Bedingungen problematisch werde. Ghana nutzte eine Unaufmerksamkeit zur 1:1-Ausgleichsaktion. Trotz der Spannung hielt Nagelsmann nach dem Spiel fest, dass er „nicht gezittert“ habe; das 1:1 dürfe man aber „so nicht fressen“. In der 88. Minute sorgte Deniz Undav mit seinem Treffer für die Entscheidung in Stuttgart.
Einzelkritik: Noten, Startelf-Debüt und Schlüsselspieler
Die Darbietungen schwankten erheblich: Gleich sechs Spieler erhielten die Note 2, zwei Akteure mussten sich mit der 5 begnügen. Alexander Nübel blieb beim Gegentor machtlos und hatte ansonsten relativ wenig zu tun. Joshua Kimmich prägte das Spiel im ersten Durchgang aus einer etwas zentraleren Position, lieferte viele Pässe und suchte Halbfeldflanken, baute im zweiten Durchgang jedoch ab.
Jonathan Tah agierte souverän in den selten geforderten Defensivmomenten, vergab vorne aber zwei gute Chancen. Nico Schlotterbeck unterlief in der 17. Minute ein Fehlpass im Aufbau; später verhinderte er in höchster Not das mögliche 1:1. Der Startelf-Debütant Nathaniel Brown brachte mit seiner Geschwindigkeit Tiefe auf links, zeigte Ruhe in der Restabsicherung und öffnete Räume für Wirtz.
Florian Wirtz dominierte phasenweise die Offensivaktionen, kombinierte viel und war defensiv engagiert. Nick Woltemade war in der Strafraumzone gefährlich, zeigte gute Ideen, ließ jedoch mehrere Großchancen liegen. Kai Havertz bereitete viele Probleme für die ghanaische Defensive, spielte belebend auf der rechten Seite und verwandelte den wichtigen Elfmeter kurz vor der Pause souverän.
Einwechslungen und Entscheidungstreffer
Die Einwechslungen veränderten das Spiel: Lennart Karl sorgte mit ungezwungener Dribblingshow und einer starken Flanke für neue Impulse, Deniz Undav erzielte mit seiner ersten echten Möglichkeit das Siegtor in der 88. Minute und bestätigte damit seine Form. Leon Goretzka war in der Schlussphase mehrfach an gefährlichen Offensivaktionen beteiligt. Leory Sané kam spät und bereitete mit einem beherzten Vorstoß sowie anschließendem Kopfball das 2:1 vor.
Die Vierfach-Einwechslung zur 61. Minute brachte allerdings einen sichtbaren Bruch ins deutsche Spiel. Beim Gegentor wirkte Josha Vagnoman auf dem Flügel pomadig, David Raum hatte zuvor das Abseits aufgehoben und konnte den Einschlag in der Mitte nicht mehr verhindern.
Folgen für Ghana: Otto Addo entlassen
Wenige Stunden nach der 1:2-Niederlage in Stuttgart teilte der ghanaische Verband mit, dass sich Ghana „mit sofortiger Wirkung“ von Trainer Otto Addo getrennt habe. Addo hatte das Amt seit März 2024 inne; zuvor betreute er die Black Stars bereits als Interimscoach und war auch 2022 bei der WM in Katar im Einsatz. Vor dem Test gegen Deutschland hatte Ghana gegen Österreich 1:5 verloren.
Der Verband dankte Addo für seinen Beitrag und kündigte an, zu gegebener Zeit einen Nachfolger zu benennen. Ghana trifft bei der WM in den USA, Kanada und Mexiko in der Gruppenphase auf England, Kroatien und Panama. Addo, Sohn ghanaischer Eltern, wuchs in Deutschland auf, spielte unter anderem für den Hamburger SV und Borussia Dortmund und lebt inzwischen in Düsseldorf.