WM 2026 Interview bei MagentaTV – Julian Nagelsmann zum WM2026 Kader

Julian Nagelsmann hat im MagentaTV-Format „Bestbesetzung“ offen über den nahenden WM-Sommer, seine Fehler und private Rückendeckung gesprochen. Der Bundestrainer blickt mit großer Vorfreude auf seine erste Weltmeisterschaft mit der DFB-Auswahl und sagt zugleich, dass sein Kader für die FIFA WM 2026 größtenteils bereits feststeht. Auch seine Ehefrau Lena spielt im Gespräch mit Johannes B. Kerner eine wichtige Rolle.

Der deutsche Nationaltrainer Julian Nagelsmann nimmt am 15. November 2023 in Frankfurt am Main an einer Trainingseinheit der deutschen Fußballnationalmannschaft teil, um sich auf das Länderspiel Deutschland gegen die Türkei vorzubereiten, das am 18. November 2023 stattfinden wird. (Foto: Kirill KUDRYAVTSEV / AFP)
Der deutsche Nationaltrainer Julian Nagelsmann nimmt am 15. November 2023 in Frankfurt am Main an einer Trainingseinheit der deutschen Fußballnationalmannschaft teil, um sich auf das Länderspiel Deutschland gegen die Türkei vorzubereiten, das am 18. November 2023 stattfinden wird. (Foto: Kirill KUDRYAVTSEV / AFP)

Vorfreude auf die erste WM als Bundestrainer

Seit September 2023 verantwortet Julian Nagelsmann die deutsche Männer-Nationalmannschaft. In knapp zwei Monaten steht für ihn der erste WM-Auftritt mit dem DFB-Team an, wenn die Weltmeisterschaft am 11. Juni 2026 in den USA, Kanada und Mexiko beginnt. Im Vereinsheim des FC Issing, wo er im frühen Kindesalter mit dem Fußballspielen anfing, sprach der 38-Jährige bereits zum zweiten Mal mit Johannes B. Kerner für die Talk-Reihe „Bestbesetzung“ – vor zwei Jahren hatte das Duo dort schon über die damals anstehende Heim-EM gesprochen.

„Ich glaube, die tatsächlich krasse Anspannung geht dann erst los, wenn wir uns Ende Mai treffen“, sagt Nagelsmann im Talk. „Aber ich habe eine extreme Vorfreude, weil es für mich auch die erste WM ist. Das ist ein Kindheitstraum.“ Für den Sommer formuliert er den Anspruch klar: „Jedes Team, das bei der WM antritt, sollte Weltmeister werden wollen.“

🏆 Nagelsmann über die WM 2026 & den Kader

  • Zur Vorfreude und Anspannung: „Ich glaube, die tatsächlich krasse Anspannung geht dann erst los, wenn wir uns Ende Mai treffen. Aber ich habe eine extreme Vorfreude, weil es für mich auch die erste WM ist. Das ist ein Kindheitstraum.“

  • Zum großen Ziel: „Jedes Team, das bei der WM antritt, sollte Weltmeister werden wollen.“

  • Zum Stand des WM-Kaders: „Nicht zu hundert Prozent leider, aber zu großen Teilen ja.“ (Auf die Frage, ob er den Kader schon im Kopf habe)

  • Über eine Nominierung von Jamal Musiala: „Wenn die Ärzte sagen, dass kein Risiko für seine Gesamtkarriere besteht, dann spricht absolut nichts gegen eine Teilnahme an der WM.“

  • Über ein mögliches Comeback von Thomas Müller: „Er ist immer noch ein sehr, sehr guter Spieler. […] Aber die Wahrscheinlichkeit, dass er bei der WM spielt, ist eher gering. Prozentzahlen sage ich nicht, aber eher gering.“

Druck, Kritik und das Gespräch mit Deniz Undav

Per Videobotschaften schaltet Johannes B. Kerner im Rahmen der Sendung mehrere prominente Fragesteller dazu. NHL-Profi Leon Draisaitl, Fußballerin Alexandra Popp, Quizmaster Günther Jauch, Handballer Julian Köster und Zehnkämpfer Leo Neugebauer sind ebenso dabei wie Schwimmstar Franziska van Almsick, die wissen will, wie Nagelsmann mit der Erwartungshaltung von „gefühlt 80 Millionen Bundestrainern“ umgeht. Seine Antwort: „Ich mache mir immer bewusst, dass es ein Sport ist und dass es Gott sei Dank nicht um Leben und Tod geht. Dass es Menschen gibt in der Politik, die viel weitreichendere Entscheidungen treffen müssen.“

Mit Gegenwind will der Bundestrainer konstruktiv umgehen. „Ich glaube, an jeder Kritik ist irgendwo immer auch ein Fünkchen Wahrheit“, sagt er. „Generell finde ich es ratsam, sich auch Dinge anzuhören und zu reflektieren.“ Gemeint ist damit auch seine jüngste öffentliche Kritik an DFB-Stürmer Deniz Undav nach dessen wichtigem Siegtreffer im Test gegen Ghana. Nagelsmann räumt ein: „Das war blöd von mir.“ Es sei „ein unnötiger Satz“ gewesen, für den er sich „auch direkt am nächsten Tag bei Deniz entschuldigt“ habe. Undav habe das „Gott sei Dank angenommen“, zwischen beiden sei „auch alles in bester Ordnung“.

Der deutsche Stürmer Nr. 13, Deniz Undav (links), jubelt neben dem deutschen Mittelfeldspieler Nr. 17, Florian Wirtz, während des Spiels um den dritten Platz in der UEFA Nations League zwischen Deutschland und Frankreich am 8. Juni 2025 in Stuttgart, Südwestdeutschland. (Foto: THOMAS KIENZLE / AFP)
Der deutsche Stürmer Nr. 13, Deniz Undav (links), jubelt neben dem deutschen Mittelfeldspieler Nr. 17, Florian Wirtz, während des Spiels um den dritten Platz in der UEFA Nations League zwischen Deutschland und Frankreich am 8. Juni 2025 in Stuttgart, Südwestdeutschland. (Foto: THOMAS KIENZLE / AFP)

Lena als Korrektiv, ChatGPT und der WM-Kader

In solchen Momenten ist für Nagelsmann seine Frau Lena ein wichtiges Korrektiv. „Ich habe ihr gesagt, ich werde ihn (Undav) anrufen, und dann hat sie gesagt: ,Ja, das rate ich dir auch‘“, berichtet er. „Sie ist ein Mensch, der mich super reflektiert, der mir natürlich auch ins Gesicht sagt, wenn irgendetwas nicht gut war.“ Seit Anfang des Jahres ist Nagelsmann in zweiter Ehe verheiratet. Über ihre Bedeutung sagt er: „Liebe zu spüren ist ein ganz, ganz wichtiger Punkt, sich nie allein zu fühlen, eine extreme Rückendeckung auch im Sport zu haben.“ Sie sei fast immer im Stadion und werde ihn auch während der WM besuchen: „Sicherlich nicht die ganze Zeit, weil sie auch arbeiten geht. Aber sie wird, wenn immer es geht, die Spiele anschauen.“

Auch abseits des Persönlichen liefert Nagelsmann im Talk Einblicke in seine Arbeitsweise. Auf die Frage von Basketball-Legende Dirk Nowitzki nach der Entwicklung des Fußballs in den vergangenen zehn Jahren verweist er auf die gestiegene Bedeutung der Datenanalyse, die taktische Arbeit deutlich präziser mache. Künstliche Intelligenz nutze er selbst jedoch kaum. „Ich bin ganz ehrlich: Meine Frau arbeitet in ihrem Beruf viel mit ChatGPT. Aber ich weiß gar nicht, wie das geht. Ich habe es noch nie gemacht. Tatsächlich versuche ich noch echte Menschen anzurufen, wenn ich eine Frage habe.“

Seinen WM-Kader habe er bereits weitgehend im Kopf, betont der 38-Jährige: „Nicht zu hundert Prozent leider, aber zu großen Teilen ja.“ Im Gespräch mit Johannes B. Kerner lobt er die Qualitäten von Pascal Groß, Antonio Rüdiger und Waldemar Anton. Zudem äußert er sich zu Jamal Musiala, der zwischenzeitlich länger verletzt war: „Wenn die Ärzte sagen, dass kein Risiko für seine Gesamtkarriere besteht, dann spricht absolut nichts gegen eine Teilnahme an der WM.“ Ein Comeback von Thomas Müller erwartet der Bundestrainer dagegen nicht. Über den MagentaTV-Experten sagt er: „Er ist immer noch ein sehr, sehr guter Spieler“, ergänzt aber mit einem Schmunzeln: „Aber die Wahrscheinlichkeit, dass er bei der WM spielt, ist eher gering. Prozentzahlen sage ich nicht, aber eher gering.“

Aberglaube im Team und „Bestbesetzung“ bei MagentaTV

Auch Klaas Heufer-Umlauf, neben Joko Winterscheidt ebenfalls mit einer Frage vertreten, lenkt das Gespräch auf den Aberglauben. Nagelsmann erklärt, dass die Mannschaft vor Spielen immer ein Energiegetränk im Bus trinke und dabei in fester Reihenfolge anstoße – „bis wir verloren haben, und dann stoßen wir andersherum an“. Ein anderes Ritual: „Wenn ich eine Jacke anhabe und wir verlieren damit ein Spiel, ziehe ich sie nicht mehr an, sondern spende sie.“ Sein Fazit dazu fällt trocken aus: „Ich teile die Meinung, dass das Quatsch ist. Trotzdem macht man es.“