Österreich bei WM 2026: Reicht Ralf-Rangnick-Taktik für Argentinien-Spiel?

Österreichs WM-Auftritt 2026 wird zu einer enormen Belastungsprobe. Die Gruppe führt das Team von Guadalajara über Houston bis nach Los Angeles, dazu kommen drei unterschiedliche Klimazonen, mehrere Zeitzonen und das letzte Gruppenspiel in der Nacht deutscher Zeit.

Austria’s coach Ralf Rangnick attends a press conference after the Euro 2024 football tournament group F first round qualifying match between Estonia and Austria in Tallin, Estonia, on November 16, 2023. (Photo by RAIGO PAJULA / AFP)

Von der Höhe in die Hitze

Schon die reine Logistik verlangt der ÖFB-Auswahl alles ab. Der Wechsel von der Höhe in Guadalajara in die feuchte Hitze in Texas und anschließend in das trockene Kalifornien wird die Mannschaft körperlich spürbar fordern. Für Spieler und Betreuer verschiebt sich im Turnierverlauf zudem der Rhythmus, weil die dritte Partie in Deutschland tief in der Nacht angepfiffen wird.

Rangnicks Idee bleibt der Maßstab

Ralf Rangnick hat sich vorgenommen, dem Nationalteam eine „österreichische DNA“ zu geben. Hinter der Formulierung steckt letztlich sein vertrauter Fußball, mit dem er auch in der Bundesliga erfolgreich war: aggressives Pressing, schnelle Ballgewinne und konsequentes Umschalten.

Wie sehr der 65-Jährige dabei auch als Psychologe wirkt, zeigte sich in der Qualifikation, vor allem nach dem 2:1 in Bosnien-Herzegowina. Österreich hatte zuvor vier Partien hintereinander gewonnen und die WM rückte näher. Rangnick dämpfte dennoch jede Euphorie mit den Worten: „Bis jetzt gibt es überhaupt keinen Grund, auf irgendetwas stolz zu sein. Es ist erst die Hälfte gespielt.“

Ein Coach, der in Prozessen denkt

Das passt zu seinem Selbstverständnis. Rangnick arbeitet in Abläufen, tritt nach außen nüchtern und beinahe spröde auf, lebt an der Seitenlinie aber von ständiger Bewegung: korrigieren, nachschieben lassen, Abstände einfordern. Ein Fußballlehrer im besten Sinne. Beim Qualifikationsspiel in Zenica lieferte er das Bild des Abends, als er wegen einer Fußoperation gehandicapt mit dem E-Bike durchs Stadion fuhr, um rechtzeitig von der Kabine zur Trainerbank zu kommen.

Die Mannschaft folgt ihm, weil seine Idee klar formuliert ist. Rangnicks Österreich will den Gegner in Momenten zu Fehlern zwingen, in denen dieser unsauber agiert. Die passenden Spieler dafür hat er nach eigenem Bild eigentlich zur Verfügung.

Im Kern spielt Österreich genau das, was Rangnick unter modernem Fußball versteht. Nach einem Ballgewinn gilt der erste Gedanke immer dem Vorwärtsgang, nicht dem Umweg über fünf sichere Stationen, sondern dem schnellen ersten Pass in den Halbraum, auf den einrückenden Zehner oder direkt auf den Stürmer.

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