An seinem 90. Geburtstag, am 10. März 2026, kämpft Sepp Blatter weiterhin um seinen Ruf. Der frühere Präsident der FIFA, von 1998 bis 2016 einer der mächtigsten Funktionäre des Weltfußballs, steht bis heute im Schatten von Korruptionsvorwürfen, Ermittlungen und der spektakulären Razzia von 2015 im Züricher Nobelhotel Baur au Lac. Blatter beteuert seit Jahren, ein „reines Gewissen“ zu haben, und sagt: „Ich bereue nichts, was ich nicht gemacht habe, wie ich auch nicht bereue, was ich gemacht habe.“ Zugleich übt er scharfe Kritik an seinem Nachfolger Gianni Infantino – und hofft noch immer auf einen ehrenhaften Abschied bei einem FIFA-Kongress, während sich der Weltverband längst auf die nächste große Bühne vorbereitet: die FIFA-Weltmeisterschaft 2026.

Inhaltsverzeichnis
Beschädigter Ruf und Selbstverteidigung
Die jahrzehntelange Führung Blatters prägten Klagen, Korruptionsvorwürfe und wiederkehrende Krisen, die sein Ansehen massiv beschädigten. Der Schweizer aus dem Wallis insistiert auf seiner Unschuld, betont sein „reines Gewissen“ und wiederholt die Formel, er bereue nichts, was er nicht oder was er getan habe. Dennoch hängen die dunklen Wolken der Vergangenheit weiter über dem Mann, der dem Weltverband rund 40 Jahre „diente“.
Razzia 2015, Ermittlungen und Folgen
Der Wendepunkt kam am 27. Mai 2015 mit der Razzia im Nobelhotel Baur au Lac in Zürich: Hochrangige Funktionäre wurden festgenommen, US-Behörden sprachen von Machenschaften, die man sonst nur von der Mafia kenne. Blatter verteidigte die FIFA als Institution—“ganz sicher nicht mafiös“—hinterfragte aber zugleich, dass es Personen gab, die in Abhängigkeitsverhältnissen standen und Geld angenommen hätten. Kurz nach den Festnahmen ließ er sich zunächst bestätigen, räumte dann jedoch seinen Platz als Präsident.
Vorwürfe, Prozesse und juristische Klärung
Schon lange vor 2015 hatte Blatter mit Vorwürfen zu kämpfen: Anschuldigungen reichen von Stimmenkauf bei Wahlen bis zu der umstrittenen Millionen-Zahlung 2011 an Michel Platini. Blatter überstand mehrere Skandale und auch den Angriff seines früheren Verbündeten Mohamed bin Hammam im Wahlkampf 2011, blieb aber im Blickfeld der Ethikkommission und der Justiz. Erst vor einem Jahr fiel der Freispruch in der Causa um die Zahlung endgültig; einen Monat zuvor trat Blatter als Zeuge im sogenannten „Sommermärchen“-Prozess auf, ohne nennenswerte Aufklärung zu liefern.
Einfluss, Kritik am Nachfolger und persönliches
Blatter war ein geschickter Taktiker, der Einnahmen steigerte, Einfluss sicherte und sich als Friedensstifter inszenierte; 1975 kam er durch Horst Dassler zur FIFA und stieg 1998 vom Generalsekretär zum Präsidenten auf. Heute kritisiert er seinen Nachfolger Gianni Infantino scharf, nennt dessen Regierungsstil einen „Sonnenkönig“ und spricht von einer „totalen Diktatur“. Trotz gesundheitlicher Probleme berichtet Blatter, er fühle sich gut und wolle im kleinen Kreis seinen 90. Geburtstag feiern; öffentlich äußerte er den Wunsch, „ehrenhaft“ auf einem FIFA-Kongress verabschiedet zu werden.