Iran, Visa, Sicherheit und Tickets: Vier Herausforderungen für die WM 2026

Drei Monate vor dem Anpfiff des FIFA World Cup 2026 zeichnen sich erhebliche organisatorische Probleme ab. Das Turnier, das vom 11. Juni bis 19. Juli in den USA, Mexiko und Kanada stattfinden soll, steht vor geopolitischen, logistischen und sicherheitsrelevanten Herausforderungen. Zentrale Fragen betreffen die Teilnahme Irans, die Bereitschaft der USA als Gastgeber, Visa- und Reisefragen für Irak sowie die Sicherheit in Mexiko und die Ticketvergabe. Diese Themen beeinflussen Spielorte, Trainingslager und den Zeitplan der Vorrunde unmittelbar.

A December 4, 2025 photo shows the exterior of the Kennedy Center in Washington, DC on December 4, 2025. The Kennedy Center will be hosting the FIFA World Cup 2026 final draw on December 5. (Photo by MANDEL NGAN / AFP)

Iran: Teilnahmefrage nach Eskalation im Nahen Osten

Nach dem Beginn der militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA/Israel und dem Iran erklärte Irans Sportminister öffentlich, die Nationalmannschaft könne nicht am Turnier teilnehmen, nachdem der oberste geistliche Führer des Landes am 28. Februar getötet worden sei. Die Angriffe, die am selben Tag begannen, führten nach offiziellen Angaben zu mindestens 1.255 Toten und mehr als 12.000 Verwundeten im Iran. Als unmittelbare Folge der Eskalation stehen alle iranischen Vorrundenspiele in US-Städten auf dem Spielplan, was die Frage nach Anreise, Sicherheit und Durchführung der Partien akut macht.

Denn trotz der politischen Spannungen betonte FIFA-Präsident Gianni Infantino, US-Präsident Donald Trump habe Iran die Teilnahme willkommen geheißen. Behörden und Verbände prüfen nun praktisch umsetzbare Szenarien: Visaerteilung, sichere Einreisewege, Trainingslager in den USA sowie mögliche Spielverlegungen. Gleichzeitig bleibt offen, ob die iranische Regierung an ihrer Absage bestehen bleibt oder eine Lösung gefunden wird, die den Mannschaftsbetrieb und die Integrität des Spielplans wahrt.

USA als Gastgeber: Politische Belastung und mögliche Folgen

Die USA tragen als Co-Gastgeber eine besondere Verantwortung: Alle Vorrundenspiele Irans sind in US-Städten angesetzt, weshalb ein Verzicht Teils zur Frage führen würde, ob die Vereinigten Staaten ihren Gastgeberstatus behalten können. FIFA hat in der Vergangenheit Turniere umverteilt, wenn Gastgeberländer Teams nicht aufnehmen wollten – ein Beispiel ist Indonesien, das 2023 die Austragung des U-20-Turniers verlor, weil es ein Team nicht willkommen hieß. Die Sportfunktionäre stehen vor der Herausforderung, Sicherheitskonzepte mit politischen Leitlinien zu verzahnen, um Spielorte, Stadien und Trainingsstätten verlässlich zur Verfügung zu stellen.

Praktisch bedeutet das: Klare Einreise- und Visaregeln, koordinierte Polizeikonzepte in den Austragungsstädten und abgestimmte Trainingspläne für betroffene Teams. Sollte es zu direkten Begegnungen zwischen USA und Iran kommen – rechnerisch möglich, etwa bei einem K.O.-Spiel am 3. Juli in Dallas – müssten FIFA, nationale Verbände und Sicherheitsbehörden eng kooperieren, um Logistik und Spielbetrieb sicherzustellen.

Irak: Visaprobleme und verlegte Playoff-Ansätze

Für den irakischen Verband stellen sich unmittelbare logistische Hürden vor dem interkontinentalen Playoff am 31. März in Monterrey. Die irakische Luftfahrt und der Luftraum sind wegen der militärischen Lage bis zum 1. April geschlossen, weshalb die Auswahl weitgehend aus Spielern der heimischen Liga besteht und das Team Schwierigkeiten hat, vollständig anzureisen. Trainer Graham Arnold wandte sich an FIFA mit der Bitte um Verschiebung, da sich die Spielersammlung und Reisemodalitäten als problematisch erweisen.

Mexiko reagierte teils pragmatisch: Erste Visa für irakische Spieler stellte die mexikanische Botschaft in Doha am 8. März aus. Zugleich fehlt Mexiko an Ort und Stelle eine Vertretung in Bagdad, weshalb die Regierung zusicherte, „alle notwendige Unterstützung“ bei der Dokumentation der Mannschaftsmitglieder zu leisten. Die Situation erfordert weiterhin enge Abstimmung zwischen irakischem Verband, Gastgeber Mexiko und FIFA, um Austragungstermin und Mannschaftsaufstellung zu sichern.

Mexiko: Gewalt und Sicherheitseinsatz

Mexiko steht unabhängig von den Konflikten im Nahen Osten vor eigenen Herausforderungen: Nach dem Mord an einem führenden Drogenboss am 23. Februar kam es in mehreren Bundesstaaten zu Brandstiftungen und Straßensperren, darunter Regionen in der Nähe der Spielorte. Die Eröffnungspartie am 11. Juni in Mexiko-Stadt und das zeitgleiche Spiel in Guadalajara werfen daher Fragen zur Sicherheit von Fans, Teams und Funktionären auf. Präsidentin Claudia Sheinbaum kündigte an, bis zu 100.000 Sicherheitskräfte während des Turniers einzusetzen und erklärte, es bestehe „kein Risiko“ für Besucher.

Probleme auf dem Ticketmarkt

Parallel dazu sorgt der Ticketmarkt für beträchtliche Kritik: In den beiden ersten Verkaufsphasen gingen fast zwei Millionen Tickets weg, die Nachfrage überstieg das Angebot um das 30-Fache. Preisangaben aus dem offiziellen Vertrieb und Wiederverkaufsportalen zeigen erhebliche Spannungen: Für die Eröffnungsfeier werden Tickets nahe 900 US-Dollar gehandelt, für das Finale liegen offizielle Top-Sitze bei rund 8.680 US-Dollar, während die billigsten Finaltickets bei etwa 2.000 US-Dollar beginnen. Auf der FIFA-Resale-Plattform tauchte ein Kategorie-3-Ticket für das Finale zu einem Preis von rund 143.750 US-Dollar auf – deutlich über dem Nennwert von 3.450 US-Dollar – was die Verfügbarkeit und Marktregulierung in den Fokus rückt.