Richtung WM 2026 – und darüber hinaus: U21-Liga soll Deutschlands Zukunft sichern

Mit Blick auf die FIFA WM 2026 richtet sich der Fokus im deutschen Fußball wieder stärker auf die Durchlässigkeit im Nachwuchs. Bundestrainer Julian Nagelsmann setzt in der Nationalmannschaft zwar vermehrt auf junge Kräfte, doch insgesamt schaffen zu wenige Talente nachhaltig den Sprung in die Bundesliga. Eine neu gegründete U21-Liga der 36 Profiklubs soll nun mehr Spielpraxis ermöglichen – und damit die Basis für kommende Turniere stärken.

Germany’s midfielder #10 Jamal Musiala reacts during the UEFA Nations League Group A3 football match Hungary vs Germany at the Puskas Arena in Budapest, Hungary, on November 19, 2024. (Photo by Attila KISBENEDEK / AFP)

Ziel der neuen Liga ist mehr Spielpraxis für Jungprofis, weil selbst ausgebildete Spieler nur noch 7,5 Prozent der Spielminuten in der Liga erhalten und zwischen 2018 und 2023 lediglich 141 Talente den Sprung in die Profimannschaften schafften. Die DFL will die Liga mit flexiblen Regularien und geringen Kostenrahmen starten; die Gründung soll auf der DFL-Mitgliederversammlung am Dienstag, den 3.3.2026 beschlossen werden. Damit reagieren DFL und DFB auf Kritik an Ausbildung und Kadergestaltung und wollen den deutschen Nachwuchs gegenüber England, Spanien und Frankreich wettbewerbsfähiger machen.

U21-Liga als Reaktion auf sinkende Durchlässigkeit

Die Initiative zur U21-Liga adressiert ein zentrales Nachwuchsproblem: Zu wenige junge Eigengewächse kommen in den Profikader. Marc Lenz aus der DFL-Geschäftsführung wies darauf hin, dass zwischen 2018 und 2023 nur 141 Spieler den Übergang von der Akademie in die Bundesliga schafften – in der Premier League waren es im selben Zeitraum 332. Lenz forderte, gegenüber England nicht schlechter dazustehen und betonte: „Wenn wir kapitalseitig nicht mithalten können, müssen wir in der Nachwuchsentwicklung sportlich top sein.“ Außerdem mahnte er, es solle nicht um einen weiteren „Hochglanzwettbewerb“ gehen, sondern ausschließlich um Spielzeit für junge Akteure.

Regularien: Flexibel, kosteneffizient und praxisorientiert

Die U21-Liga setzt auf hohe Flexibilität in Spielbetrieb und Kadergestaltung. Geplant sind zunächst Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit, unbegrenzte Auswechslungen und variable Spielzeiten; neutrale Spielorte sollen Reisen auf maximal 250 Kilometer begrenzen. Bis zu vier ältere Profis pro Team sind zulässig, um Rückkehrern aus Verletzungspausen Einsatzzeit zu ermöglichen, und die Kader werden kurzfristig benannt. Als Abschluss ist ein Final‑Four‑Turnier vorgesehen, das allein für eine mögliche Fernsehvermarktung infrage kommt; die DFL kalkuliert die Kosten pro Klub bei rund 30.000 Euro, um die Teilnahme erschwinglich zu halten.

Klubpraxis, Kritik und Experten: Wer macht was?

Die U21-Liga ist freiwillig: Vereine wie die TSG Hoffenheim und der VfB Stuttgart betreiben bereits U23-Teams mit ausgedehnter Spielpraxis (z. B. in der 3. Liga), während Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg aktuell gar keine zweite Mannschaften unterhalten. Eintracht Frankfurt hatte sein Reserveteam zwischenzeitlich abgemeldet und erst vor vier Jahren wieder eine U21 aufgebaut; Sportvorstand Markus Krösche stellte klar: „Wir bilden einfach zu schlecht aus, das ist der Kern unseres Problems.“ Krösche war Teil der im Herbst 2025 gegründeten DFL-Expertengruppe, die den Start der Liga zur Saison 2026/27 empfahl; beteiligt waren unter anderem Vertreter aus dem Red-Bull-Umfeld sowie der frühere Weltmeister Sami Khedira als externer Experte.

DFB und DFL appellieren: Mehr „Make“ statt „Buy“

DFB-Sportgeschäftsführer Andreas Rettig warnte vor zu starker Einkaufslast und forderte eine bessere Eigenproduktion von Spielern: „Make or Buy ist auch im Fußball die entscheidende Frage. Und wir müssen im Make deutlich besser werden.“ Vor dem Hintergrund sinkender Einsatzzeiten deutscher Talente sehen DFB und DFL die neue U21-Liga als praktisches Instrument, um jungen Spielern regelmäßige Spielminuten, Wettkampferfahrung und damit bessere Entwicklungsperspektiven zu bieten. Auf der DFL-Mitgliederversammlung am Dienstag sollen die formellen Schritte zur Gründung der Liga erfolgen.