Krieg, Politik und WM 2026: Warum das Turnier schon jetzt unter Druck steht

Etwa hundert Tage vor dem geplanten Auftaktspiel des Iran bei der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 wächst die Unsicherheit über die Teilnahme der iranischen Auswahl. Laut Jonathan Wilson in einem Kommentar für The Guardian wirkt die geopolitische Lage so schwierig, dass ein Antreten in Inglewood gegen Neuseeland zunehmend unwahrscheinlich erscheint. Die militärische Eskalation zwischen den USA und dem Iran sowie Angriffe auf mehrere Staaten — darunter auch qualifizierte WM-Teilnehmer — bedrohen Irans Startplatz. Ein Rückzug oder Ausschluss wäre historisch und hätte direkte Folgen für Gruppe G und den Spielplan.

FIFA Fußball WM 2026 in USA, Mexiko & Kanada
FIFA Fußball WM 2026 in USA, Mexiko & Kanada

Unsicherheit um Irans WM‑Teilnahme

Hundert Tage vor dem geplanten Gruppenspiel gegen Neuseeland in Inglewood zeichnet Jonathan Wilson ein düsteres Bild: Die anhaltende militärische Eskalation zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran sowie die Angriffe des Irans auf mehrere Staaten erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass die iranische Mannschaft nicht in die USA einreist oder ausgeschlossen wird. Sollte die Auswahl ausfallen, träfe das nicht nur den Spielplan der Gruppe G, sondern würde erstmals seit Jahrzehnten einen qualifizierten Startplatz betreffen. Die FIFA, die Veranstalter in den USA und die beteiligten Verbände stünden dann vor kurzfristigen organisatorischen und sportlichen Entscheidungen.

Historischer Vergleich: Kein Verzicht seit 1950

Ein solcher Verzicht wäre historisch: Seit der WM 1950 hat keine bereits qualifizierte Nation ihren Startplatz aufgegeben. Die damaligen Rückzüge waren allerdings anders gelagert. 1950 zogen sich Indien und Frankreich aus finanziellen und organisatorischen Gründen zurück; politische Motive lagen nach zeitgenössischen Berichten nicht vor. Die Qualifikationsjahre wirkten chaotisch, Reiseaufwand und Kosten spielten eine große Rolle – eine Konstellation, die sich grundlegend von den heutigen geopolitischen Spannungen unterscheidet.

Frühere Turniere unter politischem Druck: 1938 und 1974

Wilson erinnert daran, dass große Turniere wiederholt von internationalen Krisen geprägt wurden. Die WM 1938 in Frankreich fand im Schatten des drohenden Kriegs statt: Nach dem Anschluss Österreichs fehlte ein Teilnehmer, Spaniens Qualifikationsantrag scheiterte wegen des Bürgerkriegs, und Japan zog seine Teilnahme nach dem Einmarsch in China zurück. Nur 15 statt der geplanten 16 Mannschaften traten an; auf dem Platz kam es zu politischen Provokationen, etwa den schwarzen Trikots und dem faschistischen Gruß der italienischen Mannschaft.

Gleichzeitig beschreibt Wilson die WM 1974 als von denselben gewaltigen Kräften beeinflusst. Im Vorfeld sorgte die Spionageaffäre um Günter Guillaume in Westdeutschland für innenpolitische Turbulenzen, während der Jom‑Kippur‑Krieg 1973 und das OPEC‑Ölembargo die internationalen Spannungen und wirtschaftlichen Unsicherheiten verschärften. Auch die Qualifikation war betroffen: Die Sowjetunion verweigerte ein Rückspiel in Chile, nachdem dort politische Repressionen nach dem Militärputsch bekannt geworden waren.