KI, Körperscans und Schiedsrichterkameras: So wird die WM 2026 zum Hightech-Turnier

Die FIFA führt bei der Weltmeisterschaft 2026 tiefgreifende Technik-Updates ein. Sebastian Runge, Leiter der Abteilung Fußballtechnologie und -daten bei der FIFA, kündigt Verbesserungen bei der halbautomatischen Abseitsregel (SAOT), flächendeckende Spielerscans, das Sprachmodell „Football AI Pro“ sowie Schiedsrichter‑Körperkameras an. Ziel ist schnellere Abseitsentscheidungen, höhere Genauigkeit durch volumetrische Spielerprofile und neue Datenwerkzeuge für Trainerstab und Medienpartner. Während die FIFA das Spiel mit neuer Technologie modernisieren will, verändert der Verband rund um die FIFA-Weltmeisterschaft 2026 auch die kommerziellen Rahmenbedingungen – etwa mit Werbung während der neu eingeführten Trinkpausen.

German referee Daniel Siebert gestures during the Qatar 2022 World Cup Group D football match between Tunisia and Australia at the Al-Janoub Stadium in Al-Wakrah, south of Doha on November 26, 2022. (Photo by Anne-Christine POUJOULAT / AFP)

SAOT: schnellere Abseitsentscheidungen und akustische Signale

Die halbautomatische Abseitsregel (SAOT) hat sich seit der WM 2022, der Frauen‑WM 2023 und Einsätzen in der Champions League etabliert. Die FIFA will SAOT bei der WM 2026 weiter hochfahren: Das System sendet Schiedsrichtern ein akustisches Signal, sobald es sich seiner Abseitsentscheidung sicher ist. Dieser Datenpfad prüft in Millisekunden Positionen, Zuordnungen und mögliche Spielerverwechslungen, sodass die Spielunterbrechung minimiert wird.

Runge verwies auf ein Praxisbeispiel aus der Klub‑Weltmeisterschaft, als der kanadische Schiedsrichter Drew Fischer eine Audioansage „Abseits, Abseits“ erhielt, nachdem Kodjo Fo‑Doh Laba scheinbar getroffen hatte. Die VAR‑Offiziellen bestätigten anschließend die automatische Entscheidung; eine menschliche Nachprüfung ist nicht zwingend erforderlich. Die FIFA testete zudem, die Entscheidung auf die Uhr des Schiedsrichters zu übertragen, die Referees bevorzugten jedoch die sprachliche Meldung – bei knappen Situationen ergänzt das System die Ansage mit „knapp, knapp“.

Körperscans und volumetrische Spielerprofile zur Erhöhung der Genauigkeit

Zum ersten Mal will die FIFA vor dem Turnier jeden teilnehmenden Spieler scannen, um volumetrische 3D‑Modelle zu erzeugen. Bei den bisherigen SAOT‑Grafiken erschienen Spieler als einheitliche Avatare; die neuen Profile sollen realistische Proportionen, Gesichter, Haare und Trikots abbilden. Dadurch reduziert sich das Risiko von Messfehlern bei knappen Abseitsentscheidungen und die Visualisierung für TV‑Zuschauer und VAR‑Offizielle wird detailreicher.

Runge betonte, dass die Erstellung eines Spielermodells nur rund 30 bis 90 Sekunden dauern werde. Die Technologie lief bereits bei Testeinsätzen – unter anderem wurden Spieler des brasilianischen Klubs Flamengo gescannt – und erhielt positives Feedback aus Wettbewerben wie dem Intercontinental Cup. Gleichzeitig plant die FIFA, Elemente wie Rasenstruktur in die Animationen einzubeziehen, um die Simulation realistischer zu machen.

Football AI Pro: ein sprachbasiertes Analysewerkzeug für Teams

Die FIFA stellt mit Football AI Pro ein KI‑Sprachmodell vor, das Spielanalyse und Mannschafts‑Reporting vereinfachen soll. Runge verglich das System mit ChatGPT und Microsoft CoPilot: Im Fokus stehen Spieleranalyse, Leistungskennzahlen und die Anwendung der von Arsène Wenger entwickelten FIFA‑Fußballsprache. Teams mit umfangreicheren Ressourcen greifen bereits auf die Daten zu; bei der WM 2026 wird die Technologie allen Teilnehmern zugänglich gemacht.

Football AI Pro soll Trainerstabs, Analysten und Teammanagern helfen, Datenpipelines zu interpretieren und taktische Schlüsse schneller zu ziehen. Gleichzeitig zielt die Lösung auf eine einheitlichere Kommunikationsbasis zwischen Scout‑Reports, Spielvorbereitung und Live‑Analyse während eines Turniers.

Schiedsrichter‑Körperkameras: Blickwinkel des Unparteiischen in 104 Spielen

Bei allen 104 Partien der WM 2026 plant die FIFA den Einsatz von Körperkameras für Schiedsrichter. Mehrere Ligen setzen die Technik bereits ein; sie liefert beliebte Social‑Media‑Inhalte und bietet Zuschauern eine unmittelbare Perspektive auf Schlüsselereignisse. Die Aufnahmen sollen redaktionell geprüft werden, bevor sie veröffentlicht werden, um insbesondere ungewollte Kraftausdrücke im Fernsehen zu begrenzen.

Runge erklärte, dass die Kameras künftig am Ohr statt an der Brust befestigt werden, um die Sicht des Unparteiischen authentischer abzubilden. Medien‑ und Kommerzpartner zeigen starkes Interesse an diesen Formaten, die das Broadcast‑Erlebnis mit einem spielerischeren, KI‑gestützten Ansatz ergänzen sollen. Insgesamt sollen diese Maßnahmen das Zusammenspiel von VAR, Linienrichtern und Broadcast‑Produktion neu definieren.