WM-2022-Experte Patrick Ittrich hört auf: Bundesliga-Schiedsrichter beendet seine Karriere

Der Hamburger leitete 90 Bundesliga-Spiele und analysierte bei der WM 2022 für MagentaTV strittige Szenen. Nach der Saison ist Schluss.

Viele Fußballfans kennen Patrick Ittrich nicht nur als Bundesliga-Schiedsrichter, sondern auch aus dem TV-Studio der WM 2022. Dort analysierte der Hamburger als Regel-Experte bei MagentaTV strittige Szenen und erklärte Entscheidungen der Unparteiischen – ruhig, sachlich und mit dem Blick eines aktiven Referees. Nun steht fest: Nach dieser Saison beendet der 47-Jährige seine aktive Laufbahn im deutschen Profifußball.

Stack of soccer balls Derbystar placed on the green grass pitch at a stadium before a professional match, shallow depth of field and blurred lights in background.

Karriereende nach mehr als zwei Jahrzehnten

Der erfahrene Unparteiische kündigte an, nach der laufenden Saison aufzuhören. Die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen. Es sei sogar die schwierigste gewesen, die er „je im Fußball getroffen habe“, erklärte Ittrich. Seine verbleibenden Einsätze wolle er nun besonders genießen und „noch viele richtige Entscheidungen treffen“.

Patrick Ittrich war seit 2003 DFB-Schiedsrichter und leitete seit 2016 Spiele in der Bundesliga. „Ich hatte eine großartige Zeit“, sagte der Polizeibeamte aus Hamburg der Deutschen Presse-Agentur. Er habe viele Länder gesehen, nahezu jedes Bundesliga-Stadion kennengelernt und vor allem viele Menschen getroffen. Dem Fußball wolle er auch nach seinem Karriereende erhalten bleiben – auch wenn er künftig nicht mehr selbst pfeifen wird.

Bilanz: Spiele, Karten und Verletzungen

In der Statistik steht Ittrich bislang bei 90 Einsätzen in der Bundesliga. Dazu kommen – inklusive Relegation – 99 Partien in der 2. Bundesliga. Während dieser Zeit zeigte der Referee insgesamt 48 Gelb-Rote oder Rote Karten.

Seine Karriere wurde allerdings immer wieder von Verletzungen gebremst. Drei Kreuzbandrisse sowie ein Muskelbündelriss sorgten dafür, dass er über längere Zeiträume ausfiel und mögliche weitere Einsätze verpasste. In der Plattform „WahreTabelle“ wurden 81 seiner Entscheidungen als strittig diskutiert – mit einem nahezu ausgeglichenen Ergebnis: 40 Entscheidungen galten als korrekt, 41 wurden von der Community anders bewertet.

Prägende Momente auf und neben dem Platz

Neben seinen Spielen erlebte Ittrich auch mehrere außergewöhnliche Situationen im Fußball. 2011 leistete er nach dem Suizidversuch seines Kollegen Babak Rafati Erste Hilfe. Jahre später, 2024, half er möglicherweise dabei, dem Mainzer Profi Josuha Guilavogui das Leben zu retten, als dieser auf dem Platz die Zunge verschluckte.

Auch schwierige Momente gehörten zu seiner Laufbahn. 2023 machte Ittrich öffentlich, dass er nach einem Zweitliga-Spiel eine Morddrohung erhalten hatte. Ereignisse wie diese zeigten, wie groß der Druck auf Schiedsrichter im Profifußball sein kann.

Vom Bundesliga-Referee zum WM-Regel-Experten

Neben seiner Tätigkeit auf dem Platz war Ittrich auch regelmäßig als Regel-Experte im Fernsehen gefragt. Besonders bei der WM 2022 analysierte er für MagentaTV strittige Szenen und erklärte Entscheidungen der Schiedsrichter für das Publikum. Seine Einschätzungen brachte er sowohl im Studio als auch in Schalten während der Spiele ein.

DFB-Schiedsrichter-Chef Knut Kircher würdigte Ittrich deshalb als „Gesicht der Bundesliga“. Kaum jemand habe die Freude am Schiedsrichter-Dasein so verkörpert wie er. Mit seiner lockeren Art habe er auch innerhalb des Schiedsrichterkaders immer wieder für eine gute Atmosphäre gesorgt.

Letzte Spiele und Botschaft an junge Referees

Ganz vorbei ist Ittrichs Karriere noch nicht. Einige Einsätze stehen ihm in dieser Saison noch bevor. Sein erstes Bundesliga-Spiel bezeichnet er bis heute als persönlichen Höhepunkt – das Duell zwischen Wolfsburg und Ingolstadt am 13. Februar 2016.

Vor allem eine Botschaft möchte er zum Abschied weitergeben: Mehr junge Menschen sollten sich für das Schiedsrichterwesen entscheiden. „Ich kann jungen Menschen nur empfehlen, den Schiedsrichterschein zu machen“, sagte Ittrich. Man lerne dabei viel fürs Leben – etwa Organisation, Verantwortung und den Umgang mit Kritik. Am Samstag (13.00 Uhr/Sky) leitet er noch das Zweitliga-Derby zwischen Arminia Bielefeld und dem SC Paderborn.